Oft werden wir gefragt, was es mit dieser „Fabrik in Puolanka“ eigentlich auf sich hat, und wenn man es nicht direkt für einen Witz hält, wird wenigstens spöttisch gefragt, wann sie denn eröffnet wird.
Für uns geht es um mehr als um einen physischen Ort. Die Kopfhörerfabrik in Puolanka ist die Idee, dass man auch hier Dinge machen kann. Nicht nur planen, beraten und Folien bauen, auf denen „Wachstum ermöglichen“ steht. Sondern wirklich etwas bauen, etwas reparieren, etwas verkaufen und Menschen beschäftigen. Langweiliges Zeug. Genau die Sorte, die ein Land am Ende trotzdem zusammenhält.
Valco-Kopfhörer werden noch nicht in Finnland hergestellt. Das sagen wir lieber direkt laut, bevor irgendein Troll aus dem Kommentarbereich es merkt und glaubt, er hätte den Pulitzer gewonnen. Wir sind eine finnische Firma. Entwicklung, Sound-Abstimmung, Kundenservice und Service sitzen in Finnland. Die Herstellung ist noch woanders.
Aber die Fabrik in Puolanka ist die Richtung, in die wir wollen.
Wir wissen nicht, ob wir die Fabrik jemals gebaut kriegen. Sie kann zu teuer, zu schwierig und zu bescheuert sein. Alle klassischen Gründe sind da. Die sind immer da. In Finnland kann man endlos gut begründen, warum man lieber gar nichts machen sollte.
Genau das geht uns dabei auf die Nerven.
Viele von uns haben aus nächster Nähe gesehen, was passiert, wenn aus einer kleinen Gemeinde diese eine Fabrik, das Sägewerk, die Werkstatt oder irgendein anderer Ort verschwindet, an dem Menschen mit Händen und Hirn echte Dinge machen. Erst heißt es, Fertigung in Finnland lohnt sich nicht. Dann lohnt sie sich nicht mal mehr in Estland. Dann wandert die Produktion noch an einen billigeren Ort. Am Ende verkümmert die ganze Firma. Übrig bleiben eine leere Halle, ein kaputter Parkplatz und Bretter vor den Türen.
Das Lied ist immer dasselbe: Hier lohnt es sich nicht, irgendwas zu machen.
Wir weigern uns nur irgendwie, das zu akzeptieren.
Wenn man in dieser Welt eine Handtasche für 50.000 Euro verkaufen kann, dann kann es kein Naturgesetz sein, dass alles immer am billigsten Ort und so billig wie möglich hergestellt werden muss. Ja, wir verstehen die Kosten. Wir verstehen die Margen. Wir verstehen auch, dass Produktion in Europa wirtschaftlich manchmal ungefähr so schlau ist, wie einen zugefrorenen See mit einem Föhn schmelzen zu wollen.
Aber trotzdem.
Irgendwann wurde das für uns zu so einem Wir-zeigen's-euch-Ding. Nicht die Sorte, bei der man neben einem gemieteten Bugatti für Instagram posiert und was von Morgenroutine erzählt. Wir haben keinen Bock, um fünf aufzustehen, um inspiriert zu sein. Wir wollen eine gesunde, wachsende Firma an einem Ort aufbauen, den viele längst für tot erklärt haben.
In Finnland wird ein Unternehmen meistens genau dann wahrgenommen, wenn es ins Ausland verkauft wird. Für uns wäre Produktion in Finnland ein größerer Erfolg als jede Exit-Rede, jede Investorenfolie oder jeder Sportwagen mit Lederausstattung.
Die Fabrik in Puolanka ist also ein Symbol. Vielleicht irgendwann auch ein Gebäude. Hoffentlich ein Gebäude. Aber schon jetzt bedeutet sie für uns, dass wir nicht einfach nur von dort abhauen wollen, wo es schwierig ist. Wir wollen beweisen, dass man hier immer noch Dinge machen kann.
Vielleicht sieht es auf dem Papier bescheuert aus.
Die meisten Dinge, die es wert sind, gemacht zu werden, sehen komplett bescheuert aus. Bis irgendein Idiot sie macht und die anderen hinterher erklären, dass das ja völlig offensichtlich war.



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