Henri Heikkinen

Der Bau des Todessterns ist eine langsame Nummer, wenn man eine tausend Milliarden Billiarden aus 199-Euro-Kopfhörern zusammenkratzen sollte. Wir haben beschlossen, das Projekt zu beschleunigen, indem wir zwei junge Leute im Sommer 2026 auf Finnlands Festivals und Messen schicken, damit die Leute Valco-Produkte sehen, hören und kaufen. Und zwar genau dort, wo ohnehin schon betrunkene Entscheidungsträger rumlaufen.

Wir suchen jetzt die zweite dieser zwei Personen. Die andere ist schon ausgewählt, und sie ist sicher der zweitbeste Arbeitskollege der Welt. Wo wir den ersten finden, wissen wir nicht. Vielleicht bist du das. Vielleicht auch nicht.

Der andere Tourknecht spielt Gitarre und verkauft Kopfhörer. Deine Aufgabe ist es, zu singen und Kopfhörer zu verkaufen. Oder falls Singen nicht gerade deine Stärke ist, dann jaul oder begleite mit irgendeinem anderen (eigenen) Instrument im passenden Takt. Valco ist nicht die Sibelius-Akademie, aber wir wollen auch nicht, dass die Leute mit blutenden Ohren von unserem Stand fliehen. So ungefähr die Töne zu treffen reicht.

Außerdem verkaufst du Kopfhörer. In der Praxis steht ihr am Stand, wo die Besucher in der Regel mehr oder weniger betrunken sind. Du nicht. Zumindest nicht während der Arbeitszeit. Was du abends in deiner Freizeit treibst, geht uns nichts an, solange du morgens wieder hinter dem Tresen stehen und dir merken kannst, dass VMK25.2 199 Euro kostet und nicht 19,90.

Neben dem ganzen Kram sollst du dann auch noch die Sommerstimmung in Valcos Social Media posten. Das kann man auch in weniger nüchternem Zustand machen. Wir haben praktisch keinerlei Zensur. Die Plattformen vielleicht schon.

Start und Ziel sind in Tampere. Die Anreise dorthin und zurück zahlst du selbst. Am einfachsten ist das also, wenn du sowieso schon in Tampere oder in der Nähe wohnst. Leute aus Pirkkala kommen auch klar. Wenn du in Inari wohnst, solltest du vielleicht überlegen, ob das Flugticket den kompletten Sommerverdienst auffrisst.

WEN WIR SUCHEN

  1. Du bist mindestens 18 Jahre alt. Das ist keine Altersdiskriminierung, sondern Gesetz. Auf Festivals wird im Nachbarzelt Alkohol ausgeschenkt, und niemand hat Lust, den Behörden zu erklären, warum unser minderjähriger Scherge feiert wie der Ministerpräsident.
  2. Du hast einen Führerschein Klasse B. Das Auto muss von A nach B bewegt werden, und irgendwer muss hinter dem Steuer sitzen. Der Gitarrist könnte Alkohol im Blut haben, also bist dieser Jemand du. Oder andersrum. Am besten abwechselnd.
  3. Du beherrschst Social Media. Facebook und Instagram sind für dich alte Bekannte (oder bekannt daher, dass Mama und Papa sie benutzen). Aber vor allem ist TikTok dein Königreich. Du weißt, was trendet, und traust dich mit deinem eigenen Gesicht vor die Kamera. Wenn du dir bei jedem Video Ausreden ausdenken musst wie "oh nein, sieht man da mein Kinn", dann ist der Job vielleicht nichts für dich.
  4. Du hast Nerven aus Stahl. Das Festivalpublikum ist betrunken. Das Messepublikum verkatert. Beide wollen dir erklären, warum ihre alten Kopfhörer besser waren als unsere neuen, die sie noch nicht mal ausprobiert haben. Da muss man lächeln und "interessanter Blickwinkel" sagen können, obwohl man insgeheim hofft, dass es anfängt zu regnen und all diese Leute wegspült.
  5. Du kannst verkaufen. Nicht so, dass du irgendwelche "Closing-Techniken" aus einem LinkedIn-Post auswendig lernst, sondern so, dass du dem Kunden direkt und ehrlich sagen kannst, warum man diese Kopfhörer kaufen sollte. Frühere Erfahrung im Marktverkauf, an der Kasse, in der Gastro oder in irgendeinem anderen Job, bei dem man verkatert mit dummen Menschen zu tun hat, ist ein klarer Vorteil.

BONUSBEREICH

Dafür zahlen wir nicht mehr, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du genommen wirst:

  • Erfahrung mit Festivalarbeit, auch wenn es nur als Ordner oder Spüler war. Du weißt, was auf dich zukommt.
  • Erfahrung mit Auftritten vor Publikum. Schüchterne Persönlichkeiten kommen nicht weit, wenn man mitten am Ilosaarirock-Vormittag mindestens drei Leute dazu bringen soll, vor dem Zelt stehenzubleiben.
  • Fahrerfahrung mit einem Transporter. Das ist kein Lkw, aber eben auch nicht Mamas alter Polo. Wenn die Rückfahrkamera dein einziger Kontakt zur Welt hinter dem Auto ist, überleg lieber noch mal.

WAS ZUM TOURKNECHTEN DAZUGEHÖRT

  • Auftritte auf Festivals und Messen, also Gesang oder irgendeine andere Performance neben dem Gitarristen.
  • Aufbauen, Abbauen und wieder Zusammenbauen von Valcos Stand. Dazu gehören schwere Kisten, Regen, Matsch und ein Reißverschluss, der immer kaputt ist.
  • Verkauf von Kopfhörern am Tresen.
  • Social-Media-Inhalte während der ganzen Tour. Für Valcos Account, nicht für deinen. Wenn du parallel auch für deinen eigenen was machen willst, bitte sehr.
  • Das Auto von Festival zu Festival fahren. Irgendwann dazwischen auch aufladen. Wir haben aus ökologischen Gründen ein Elektroauto.
  • Unterwegs schlafen. Oder im Zimmer. Grundsätzlich ist das Ziel, irgendwo tagsüber hinzufahren und nachts wieder zu Hause zu sein, aber da werden sicher alle möglichen Variablen dazwischenfunken.

EIN PRAKTISCHER TAG AUF TOUR

Du wachst um acht im Hotelzimmer auf. Dein Arbeitskollege ist schon seit fünf wach, weil du geschnarcht hast. Frühstück ist nicht im Preis drin, weil die Firma gespart hat. Ihr packt die Sachen ins Auto. Der Gitarrist vergisst seine Kappe im Zimmer, geht sie holen. Ihr fahrt los. Ihr kommt zurück, weil du das Handy am Ladegerät vergessen hast. Ihr fahrt los.

Am Festivalgelände kommt ihr um 9 Uhr an. Das Zelt steht in einer Stunde, obwohl in der Anleitung 10 Minuten steht. Irgendein Ordner fragt, ob du am richtigen Platz bist. Bist du. Er will trotzdem die Papiere sehen. Du suchst die Papiere im Auto. Findest sie. Es kann weitergehen.

Um 10 Uhr beginnt der Auftritt. Du singst drei Songs. Beim ersten bleibt niemand stehen. Beim zweiten bleiben zwei Mädchen nickend stehen. Nach dem dritten kommt ein Betrunkener und fragt, wo es die Kopfhörer gibt und ob die euren schrecklichen Krach dämpfen. Er kauft nicht, verspricht aber, es sich zu überlegen. Du versprichst, einen Link zu schicken, vergisst es aber.

Der Rest des Tages vergeht am Zelttresen. Zwei Verkäufe, vier Rabattwünsche, ein Mensch, der erzählen will, wie die Kopfhörer seines Cousins kaputtgegangen sind. Du erklärst, dass Valcos Kopfhörer reparierbar sind. Er versteht nicht, was das bedeutet. Du erklärst es noch mal. Er versteht es immer noch nicht. Irgendwer kauft einen Speaker. Der Tag ist im Plus.

Abends drehst du ein TikTok vor dem Zelt. Der Gitarrist vergisst seinen Text dreimal. Du nimmst es zum fünften Mal auf. Du schneidest es abends im Hotel. Du postest es. Du bekommst 7 Aufrufe und einen Kommentar, in dem jemand fragt, ob du single bist. Du antwortest nicht.

WAS WIR BIETEN

  • 0-Stunden-Vertrag, gültig bis Ende September. Das heißt, wir können dir eigentlich null Stunden verbindlich versprechen. In der Praxis sind Juni bis August aber voll mit Gigs. Wenn mal eine unbezahlte Woche reinfällt, kannst du sie als Urlaub ohne Urlaubsgeld sehen.
  • Weil die ganze Arbeit unterwegs stattfindet, knallen dir für jeden Tag steuerfreie Spesen aufs Konto. Das ist der eigentliche Klecks Butter im Haferbrei.
  • Ein Auto für die Dauer der Tour. Strom, nötige Unterkünfte und Festivaltickets zahlen wir. Kaffee zahlen wir vorerst auch noch, aber wenn der Kostenpunkt aus dem Ruder läuft, schauen wir uns das noch mal an.
  • Einen verdammt prallen Festivalsommer. Du siehst mehr Festivals als jeder deiner Freunde mit richtigen Jobs. Damit kannst du den Rest des Jahres auf jeder Abendveranstaltung angeben. Du kannst sogar vergessen, dass du dabei gearbeitet hast und keine einzige Band gesehen hast, weil du am Verkaufsstand warst.
  • Mücken. Viele Mücken. Wahrscheinlich Regen und Matsch.
  • Reiserei. Finnland lernst du Straße für Straße kennen.
  • Valco-Produkte zur persönlichen Nutzung. Das ist eher Werkzeug als Benefit, weil du den Kunden davon erzählen können musst, aber die meisten zahlen ja auch dafür, sie selbst zu bekommen.
  • Irgendeine Art Gehalt. Etwa 15 € / Stunde + Spesen. Vielleicht irgendeinen willkürlichen Bonus, wenn sich die Produkte gut verkaufen oder ein Video auf die positive Art viral geht. Erwarte nicht, dass du dir von unserem Gehalt einen Porsche kaufen kannst. Die Unternehmer selbst haben auch erst einen Porsche, und dafür mussten erst 100.000 Paar Kopfhörer verkauft werden.

BEWERBUNG

Schick eine formlose Bewerbung und irgendeine Probe (Handyvideo reicht, muss keine Studioqualität sein) an hr(at)valco.fi mit dem Betreff "Festivalknecht 2026". Wenn du willst, verlinke auch deine Social-Media-Profile.

Die Bewerbung läuft, bis wir den richtigen Menschen gefunden haben. Warte also nicht auf irgendeine Deadline. Der erste Gig ist schon am 16.5.2026

Wenn du Fragen hast, ruf nicht an. Schreib eine Mail an dieselbe Adresse.

Mehr Infos findest du in Jasses Video: https://youtube.com/shorts/dEI3XecPl74

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